Ärztelöhne: worum es wirklich geht

7 Nov 18
AGZ

Mit falschen Einkommenszahlen machen BAG und Bundesrat Berset Stimmung gegen die Ärzte. In Wahrheit geht es darum, den Patienten und Prämienzahlern unpopuläre Leistungskürzungen und einschneidende Änderungen hin zu einer Staatsmedizin schmackhaft zu machen.

Das Bundesamt für Gesundheit verschwendet Steuergelder für eine Kampagne gegen Ärzte. Ohne gesetzliche Grundlage hat das BAG als «Pilotprojekt» eine Einkommensstudie in Auftrag gegeben. Die bereits seit dem Frühjahr 2018 vorliegenden Ergebnisse setzt das BAG nun gezielt zu einem Zeitpunkt ein, an dem es um die Revision des Arzttarifs und um die Implementierungen von Kostendämpfungsstrategien im Krankenversicherungsgesetz geht. Das Bundesamt führt mit einer tendenziösen, irreführenden und auf veralteten Daten basierenden Studie eine gezielte Kampagne gegen die Schweizer Ärztinnen und Ärzte, um die Einkünfte der Ärzte aus der Grundversicherung weiter zu senken respektive Kosten in der Grundversicherung zum Nachteil der Patienten sparen zu können. Warum die Studie falsche Ergebnisse liefert, lesen Sie in einem weiteren Beitrag.

Das BAG schiesst auf angeblich zu hohe Ärzteeinkommen, um die öffentliche Meinung vorzubereiten für unbeliebte Kürzungen und Systemänderungen. Die Schweizer Stimmbürger haben mehrmals Nein gesagt zu Leistungskürzungen, der Einschränkung der freien Arztwahl, Einheitskasse und Staatsmedizin. All diese Ziele möchte Bundesrat Berset nun durch die Hintertüre doch noch realisieren - via die Arzttarife, Begrenzung der Ärzteanzahl durch Zulassungsstopps oder gar einem Globalbudget.

Ärztekammer hat aktuelle, revidierte Tarifstruktur am 25. Oktober 2018 beschlossen

Die Studie wurde reisserisch aufbereitet: relativierende und erklärende Einschränkungen der Studienautoren werden verschwiegen und Ausreisser im oberen Einkommensbereich aus Zusatzversicherungen als Einkommen der breiten Ärzteschaft aus der Grundversicherung verkauft. Die irreführendenden Zahlen wurden zielgerichtet zum Zeitpunkt an die Medien gereicht, an dem die Ärzte einen revidierten Tarif verabschiedet haben. Die Tarifpartner haben eine revidierte Tarifstruktur ausgearbeitet und verhandelt. Nur der seit Jahren blockierende grössere Versichererverband santésuisse sass nicht mit am Tisch. Die Ärztekammer der FMH hat diese neue Tarifstruktur am 25. Oktober 2018 fast einstimmig nur mit wenigen Enthaltungen beschlossen. Die Ärztinnen und Ärzte stehen hinter dieser revidierten Tarifstruktur.

Zur aktualisierten Tarifstruktur müssen nun auch noch die anderen Tarifpartner zustimmen, bevor sie in wenigen Monaten beim Bundesrat eingereicht werden kann. Diese sehr gute Nachricht, hat kaum eine Zeitung vermeldet. Die grosse Zustimmung zu einer aktuell vorliegenden, revidierten Tarifstruktur TARMED ging neben den BAG-News so sehr unter, dass mehrere Kommentatoren gar behaupteten, die Ärzte würden sich einer Tarifrevision verweigern und der Bundesrat habe so das Recht ein weiteres Mal mit einem Amtstarif einzugreifen.

Was bedeutet der Amtstarif für Sie als Patientinnen und Patienten?

Die Schweizer Gesundheitspolitik dreht sich mantraartig nur um die Kosten und nicht um die Versorgung. Das hohe Versorgungsniveau für alle – nicht nur für gut Verdienende  - ist dadurch gefährdet. Zweimal hat der Bundesrat bereits in den Tarif eingegriffen; zuletzt wurden per 1. Januar 2018 die Leistungen für Patienten eingeschränkt. Die Patienten, v.a. chronisch oder schwer Kranke, Kinder und Pflegebedürftige, welche eine umfassende Betreuung benötigen, spüren diese Kürzungen noch nicht, weil viele Ärzte zum Wohl ihrer Patienten mit Gratisarbeit die Löcher stopfen. Das können die Praxen auf Dauer nicht verkraften. Viele Ärzte nehmen dies mit Hoffnung auf eine baldige Einführung der vorliegenden revidierten Tarifstruktur vorübergehend auf sich.

Beispiele gefällig, was heute eigentlich schon nicht mehr möglich wäre? Die Psychiater von Kindern und Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten könnten z.B. nicht mehr die Behandlung mit dem Hausarzt, Eltern und Schule absprechen, um eine effektive Unterstützung zu bieten. Aber nur wenn alle Betreuungspersonen sich absprechen und dasselbe Tun und Lassen, findet das Kind Halt und Unterstützung in einem klaren Rahmen. Die Zeit für diese nötige Absprache aller Beteiligter sind "Leistungen in Abwesenheit des Patienten" und wurden auf 1.1.2018 so stark eingeschränkt, dass eine Absprache nur noch möglich ist, wenn die Psychiater und Hausärzte teilweise gratis arbeiten.

Ein anderes Beispiel betrifft Rheumapatienten, die regelmässig langlaufende Infusionen benötigen, um die Immunabwehr in Schach zu halten. Diese Infusionen werden noch immer in Arztpraxen verabreicht, obwohl von der nötigen 4-5-stündigen Überwachungszeit nur noch eine Stunde bezahlt wird. Wenn die Rheumatologen diese Gratisarbeit nicht mehr machen, müssen die Patienten für eine Nacht ins Spital und die Infusionen könnten nicht mehr bis zum für den Patienten besten Zeitpunkt hinausgezögert werden. Das führte zu mehr der teuren Infusionen pro Patient im Spital oder würde Therapiewechsel zu Medikamenten mit mehr Nebenwirkungen erzwingen.

Der Amtstarif trifft aber auch gesunde Prämienzahler, die vielleicht doch einmal notfallmässig zum Arzt müssen. Stichwort Notfallpauschalen und Kriterien zur Definition eines Notfalls - was für Sie ein Notfall ist, ist es für den Bundesrat und die Krankenkassen nicht immer.

Was bedeutet das für die Prämienzahler?

Wer nun meint, unter dem Strich senkt das aber die Prämien, der täuscht. Die Gesundheitskosten sind in den letzten Jahren deutlich weniger gestiegen als die Prämien. Die Versicherer beantragen beim Bundesrat sicherheitshalber höhere Prämien, und sammeln so mehr als nötig Reserven an.

Die Prämien sind seit Einführung des TARMED im Jahr 2004 stetig gestiegen, obwohl die Honorare der Ärzte in der Grundversicherung gesunken sind. Im Kanton Zürich erhielt ein Arzt bei Einführung des TARMED 97 Rappen pro Taxpunkt. Im Jahr 2018 erhält der Arzt in derselben Tarifstruktur nur noch 89 Rappen pro Taxpunkt. Kennen Sie eine weitere Berufsgruppe mit hoher Qualifikation welche über die letzten 15 Jahre keine Lohnerhöhung, sondern sogar eine solche massive Entwertung ihrer Arbeit hinnehmen musste? Um wieviel Prozent ist der Wert Ihrer Arbeit und Ihr Einkommen in den letzten 15 Jahren gesunken?

So sieht das wirkliche Bild von den Arzteinkommen aufgrund der Einkommenserhebung des Bundesamts für Statistik aus

Im Jahr 2015 erzielt eine durchschnittliche Arztpraxis ein Einkommen von CHF 155'000. Davon werden CHF 138’000 aus der obligatorischen Krankenversicherung erzielt, also aus Prämien für die Grundversicherung bezahlt. Der Rest sind Leistungen für Unfälle, Zusatzleistungen und ähnliches, welche aus anderen Versicherungen oder privat bezahlt werden.

Mit falschen Zahlen betreibt das BAG gezielte Fehlinformation, wiegelt die Bevölkerung auf und verunsichert die Patienten, die für eine gute Behandlung auf eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Ärzten angewiesen sind. Das schadet nur und nutzt niemandem.

Deshalb fordern die Zürcher Ärztinnen und Ärzte Bundesrat Berset auf:
Hören Sie endlich auf mit dem Ärzte-Bashing! Kümmern Sie sich bitte endlich um das, wofür Sie als Gesundheitsminister und Ihr Bundesamt zuständig sind: für die Aufrechterhaltung der guten Gesundheitsversorgung in der Schweiz!

Wir Ärzte leisten unseren Beitrag und kümmern uns weiterhin um die gute Betreuung unserer Patienten. Wir werden aber alles unternehmen, damit unseren Patienten keine notwendigen Leistungen durch Rationierung vorenthalten werden. Und wir werden es uns nicht länger gefallen lassen, dass Sie uns mit falschen Zahlen verleumden und die Ärzte in der Bevölkerung diffamieren.

 

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