Ärztelöhne: Analyse der BAG-Studie

6 Nov 18
AGZ

Auf falscher Datenbasis und noch dazu veralteten Einkommenszahlen machen BAG und Bundesrat Berset Stimmung gegen die Ärzte. Die Analyse belegt: es ist nicht drin, was draufsteht.

Das Bundesamt für Gesundheit verschwendet Steuergelder für eine Kampagne gegen Ärzte. Ohne gesetzliche Grundlage hat das BAG als «Pilotprojekt» eine Einkommensstudie in Auftrag gegeben. Die bereits seit dem Frühjahr 2018 vorliegenden Ergebnisse setzt das BAG nun gezielt zu einem Zeitpunkt ein, an dem es um die Revision des Arzttarifs und um die Implementierungen von Kostendämpfungsstrategien im Krankenversicherungsgesetz geht. Das Bundesamt führt mit einer tendenziösen, irreführenden und auf veralteten Daten basierenden Studie eine gezielte Kampagne gegen die Schweizer Ärztinnen und Ärzte, um die Einkünfte der Ärzte aus der Grundversicherung weiter zu senken respektive Kosten in der Grundversicherung zum Nachteil der Patienten sparen zu können. Worum es wirklich geht und was die Zürcher Ärzte von Bundesrat Berset fordern, lesen Sie in einem zweiten Beitrag.

Das Unerhörte ist:

  • Es gibt eine gesetzliche Grundlage im Krankenversicherungsgesetz, dass und wie die Ärzte ihre Einkommen offenlegen müssen.
  • Die Schweizer Ärztinnen und Ärzte legen seit 2015 auf dieser gesetzlichen Grundlage ihre Einkommen offen.
  • Die Experten des Bundesamts für Statistik werten die Einkommensdaten seriös aus.
  • Diese Ergebnisse passen dem Bundesrat im Kontext seiner Eingriffe in den Arzttarif und bei seiner Kostendämpfungsstrategie nicht in den Kram.
  • Das Bundesamt für Gesundheit ignoriert daher bewusst die Daten der Ärzte und die Auswertungen des BFS.
  • Das ist ein Affront gegen das Bundesamt für Statistik und gegen die Ärzte.

Tendenzöse Studie des BAG: es ist nicht drin, was draufsteht

Die BAG-Studie behauptet schon im Titel «Einkommen, OKP-Leistungen und Beschäftigungssituation der Ärzteschaft», dass die Einkommen aus der obligatorischen Grundversicherung (OKP) betrachtet werden. Genau das wird aber nicht gemacht. Es wird nicht bestimmt, welche Anteile der ärztlichen Einkommen aus welchen Finanzierungsquellen generiert werden. In der politischen Diskussion aus Sicht der Regulierungsbehörde darf aber nur interessieren, welcher Teil der Ärzteeinkommen durch die obligatorische Grundversicherung erzielt wird. Über diesen zentralen Aspekt bringt die Studie keine Transparenz.

In Abschnitt 5 der Studie «Zusammensetzung der OKP-Bruttoleistungen und Verhältnis zum Einkommen 2014» wird zunächst lediglich betrachtet, aus welchen Leistungsarten sich die Ausgaben der Grundversicherung zusammensetzen. Das hat keinen Zusammenhang dazu, aus welchen Finanzierungsquellen sich die Einkommen der Ärzte zusammensetzen. Ausserdem wird aussen vorgelassen, welchen Beitrag die Einnahmen aus Privat-Leistungen haben. Anschliessend werden die Leistungen der Grundversicherung den Einkommen pro Fachgebietsgruppe gegenübergestellt. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die Aussagekraft ist gleich null. Aus den Zahlen lässt sich nicht schliessen, welcher Teil des Einkommens durch die Grndversicherung finanziert wird.

Für die gesundheitspolitische Diskussion ist ausserdem von zentraler Bedeutung, wie die Einkommen verteilt sind. Die deutlichen Abweichungen von Mittelwert und Median in allen betrachteten Facharztgruppen zeigen, dass die Verteilungen nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der Facharztgruppen sehr unterschiedlich sind. Deswegen ist es richtig von Ausreissern zu reden und falsch, den Ärzten grundsätzlich überhöhte Einkommen zur Last zu legen und damit Kosteneinsparungen zu begründen. Im Übrigen wurde der Median nicht berechnet, sondern nur näherungsweise bestimmt. Da nur aggregierte durchschnittliche Beschäftigungskennziffern für die Einkommensstandardisierung zur Verfügung standen, konnte nur der Mittelwert der jeweiligen Analysegruppe mathematisch korrekt bestimmt werden.

Grundsätzlich ist unklar, ob die bei der AHV abgerechneten Einkommen bei Selbständigen der effektiven wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechen, und ob diese gegenüber den AHV-Bruttolöhnen von Angestellten unter- oder überschätzt werden: Anteile an Sozialversicherungsbeiträgen wirken verringernd, steuerliche Abzugsmöglichkeiten erhöhend. In jedem Fall sind die bei der AHV abgerechneten Einkommen der Selbständigen nicht vergleichbar mit den AVH-Bruttolöhnen der angestellten Ärzte.

Das Bundesamt für Statistik erhebt und publiziert die aktuellen Ärzteeinkommen

So sieht das wirkliche Bild von den Arzteinkommen aufgrund der Einkommenserhebung des Bundesamts für Statistik aus: Im Jahr 2015 erzielt eine durchschnittliche Arztpraxis ein Einkommen von CHF 155'000. Davon werden CHF 138’000 aus der obligatorischen Krankenversicherung erzielt, also aus Prämien für die Grundversicherung bezahlt. Der Rest sind Leistungen für Unfälle, Zusatzleistungen und ähnliches, welche aus anderen Versicherungen oder privat bezahlt werden.

Mit falschen Zahlen betreibt das BAG gezielte Fehlinformation, wiegelt die Bevölkerung auf und verunsichert die Patienten, die für eine gute Behandlung auf eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Ärzten angewiesen sind. Das schadet nur und nutzt niemandem.

 

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