Sind Schweizer Nachfahren der Wikinger?

12 Mär 18
AGZ

Immer mehr Eingriffe können ambulant gemacht werden. Die Ärzte nutzen dies, wo medizinisch sinnvoll und zum Vorteil des Patienten. Die Politik möchte mehr - und bestimmt mit Listen, welche Operationen Patienten nur noch ambulant vornehmen lassen dürfen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt.

Ein Kommentar von Dr.med. Jürg Knessl, MAE, CAS MedLaw, ehemaliger Präsident der ZGO und SGOT

Die Dänen, Nachfahren hartgesottener Wikinger, testen seit kurzem bei Knieprothesen einen fast track und machen diese, getreu dem Toyota-Motto „Nichts ist unmöglich“, neuerdings ambulant. Dänischer Werbeslogan: Geht prima, gar keine Probleme, alle happy. 

Ich implantiere Knieprothesen seit 30 Jahren und würde behaupten, 3 bis 4 Stunden postoperativ wieder nach Hause, das geht in der Schweiz nicht. Der Norden mag da vielleicht anders sein. Ich war früher mal Ende der 70er eine Zeit lang in Schweden: die Schweden halten echt einiges aus, sogar eine orthopädische Infektionsrate von 8,3%. Eine Infektrate von 8.3 Prozent mag für Nichteingeweihte nicht spektakulär aussehen, tolerabel wären aber Werte um 1 Promille.

Solche Monstrositäten, sollten sie später auch noch bei uns angeordnet werden, müsste ich wohl nicht mehr mitmachen. Mangels Besserem tröste ich mich wenigstens mit der mir vom Schicksal zuteil gewordenen Gnade der frühen Geburt. Dank ihr durfte ich, bis jetzt wenigstens, ein Leben eines eigenverantwortlichen, freien Arztes führen. Eines, der es sich leisten konnte, sich seinen Patienten ohne finanzielle Vorgaben zu widmen, der nicht operieren musste, wenn es nicht medizinisch notwendig war, und der sich zudem mit Philosophie und Ethik nicht nur befassen konnte, sondern sie auch lehren durfte. Was wünscht man sich mehr?

Manchmal frage ich mich, ob der Art. 27 unserer Bundesverfassung, der da lautet: „Die Wirtschaftsfreiheit ist gewährleistet. Sie umfasst insbesondere die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung“ heutzutage noch seine Gültigkeit hat. Oder hat inzwischen jemand diesen Passus klammheimlich gestrichen? Im Jahr 1877 trat das sogenannte Freizügigkeitsgesetz in Kraft, das jedem eidgenössisch diplomierten Arzt erlaubt, seine Kunst auf dem ganzen Gebiet der Eidgenossenschaft auszuüben, wobei in Bezug auf Therapie oder Gebiet keine Grenzen gesetzt sind. Vielleicht habe ich es auch nur falsch verstanden.

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