ZÜRCHER WÜNSCHEN KURZE WARTEZEITEN, STATT TIEFERE PRÄMIEN

28 Feb 18
Juliane Fliedner

In einer breit angelegten Umfrage haben wir die Zürcherinnen und Zürcher im Herbst 2017 vor die Wahl gestellt: Eine überwältigende Mehrheit möchte lieber rasch einen Arzt- oder OP-Termin erhalten, statt tiefere Prämien zahlen.

Autorin: Dipl.-Volkswirtin Juliane Fliedner, Gesundheitsökonomin der AGZ

Der Bundesrat will die Anzahl ambulant tätiger Ärzte durch verschärfte Zulassungsbedingungen reduzieren. Dadurch sollen Kosten im Gesundheitswesen gespart werden. Aber dadurch verschlechtert sich auch die Versorgung.

Während die Bevölkerung stetig wächst, soll die Anzahl praktizierender Ärzte abnehmen. Patienten werden sich also immer weniger Ärzte mit immer mehr anderen Patienten teilen müssen. Das kann dazu führen, dass sie z.B. immer häufiger keinen Arzt finden, der sie neu aufnehmen kann. Patienten werden länger auf Arzttermine oder Operationen warten müssen. Ärzte werden sich weniger Zeit für ihre Patienten nehmen können.

Im Herbst 2017 haben wir eine breit angelegte Umfrage gemacht. 6901 Personen wurden angeschrieben und hatten die Möglichkeit die Umfrage weiter zu verbreiten. Wir wollten wissen, ob Patienten diese Entwicklung Sorgen bereitet, wie wichtig ihnen eine gute Versorgung ist, wieviel Wert sie auf tiefe Prämien und auf kurze Wartezeiten legen. Rund 580 Personen haben sich an der Umfrage beteiligt.

Prämienreduktion vs. längere Wartezeiten

In den Medien wird nahezu ausschliesslich die Notwendigkeit von Prämienreduktionen betont. Viel wichtiger ist aber der überwältigenden Mehrheit der Befragten, dass die Wartezeiten nicht länger werden. Nur knapp ein Fünftel möchte, dass die Prämien sinken.
 


Die Präferenz für tiefe Krankenkassen-Prämien hängt stark damit zusammen, wie belastend die Prämie für das jeweilige Haushaltsbudget ist. Insgesamt gibt zwar die überwiegende Mehrheit an, dass die Prämie gar nicht belastend (45%) oder mittelmässig belastend (36%) für das Budget ist; nur 19% finden es belastend. Betrachtet man aber nur die gut 100 Personen, die eine Präferenz für tiefe Krankenkassen-Prämien haben, finden mit 40% wesentlich mehr ihre Prämien als belastend.
 

 

Hohe Ansprüche an Versorgungsqualität

Die Zufriedenheit mit dem Schweizer Gesundheitssystem in punkto Wartezeiten ist hoch. Über die Hälfte der Patienten schätzt die kurzen Wartezeiten in der Schweiz; für rund 15% sind sie noch immer zu lang.
 

 


Die hohe Versorgungsqualität im Schweizer Gesundheitswesen soll auf jeden Fall beibehalten werden, darin sind sich fast alle einig. 85% fänden es sehr gravierend oder gravierend, wenn sich die Wartefristen in der Schweiz an diejenigen in Europa annähernd würden. Wenn die verschärften Zulassungsbedingungen eingeführt werden, dann droht dies aber auch in der Schweiz.

Wie weiter oben gezeigt, ist es mit 73% der überwältigenden Mehrheit wichtiger, dass die Wartezeiten nicht steigen. Diese Personen fänden es zu 96% sehr gravierend oder gravierend wenn die Wartezeiten infolge von verschärften Zulassungsbedingungen ansteigen würden.
 

 

Was bedeutet kurz und lang? – Wartefristen unter der Lupe

Auf die konkrete Frage, wie lange sie auf einen Facharzttermin z.B. bei einem Orthopäden, Dermatologen oder Gastroenterologen bereit sind zu warten, kreuzte die überwiegende Mehrheit der Befragten (77%) die Antwort mit der kleinsten vorgeschlagenen Frist von 2 Wochen an. Sogar von jenen mit einer Präferenz für tiefe Prämien möchten 62% nicht länger als 2 Wochen auf einen Facharzttermin warten.
 

 


Auf eine nichtlebensnotwendige Operation, wie eine Knie- oder Hüftoperation, möchten die meisten Befragten (41%) maximal 2 bis 3 Monate warten. Nur 3% sind bereit, länger als 6 Monate zu warten, wie das in anderen europäischen Ländern üblich ist. Auch den Befragten, denen tiefe Prämien wichtiger sind, als kurze Wartezeiten, sind 6 Monate in der Mehrzahl zu lang. Nur 7% ist bereit, mehr als 6 Monate zu warten.
 

 

Fazit

Die Menschen möchten vor allem, dass die gute Qualität des Schweizer Gesundheitssystems erhalten bleibt. Rationierungen, längere Wartezeiten, weniger Ärzte durch verschärfte Zulassungsbedingungen lehnen sie deutlich ab. Denn aktuell ist die Zufriedenheit mit der Versorgungsqualität noch sehr hoch. 

Natürlich gibt es auch Personen, deren Krankenkassenprämien das Haushaltsbudget strapaziert - vor allem diese möchten gerne tiefere Prämien zahlen. Sie sind aber a) in der Minderheit und möchten b) auch nicht auf die gute ambulante Versorgungsqualität verzichten. Auch sie sind mehrheitlich nicht bereit, länger als 2 Wochen auf einen Facharzttermin zu warten und lehnen es in der Mehrheit ab, Wartezeiten von mehr als 6 Monaten auf nichtlebensnotwendige Operationen in Kauf zu nehmen. 

Sollte nicht für diese Minderheit eine gezieltere Lösung gefunden werden können, statt alle mit längeren Wartefristen und schlechterer Versorgungsqualität zu bestrafen?

Zürcher wünschen kurze Wartezeiten, statt tiefere Prämien

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