Antwort auf offenen Brief an Bundesrat Berset

17 Jul 17
Josef Widler

Am 15. Juni 2017 beantwortete das BAG den offenen Brief von Josef Widler an Bundesrat Alain Berset. Darin forderte es detaillierte Angaben zu den Zahlen an. Josef Widlers Antwort vom 26. Juni.

Vielen Dank für Ihre Antwort auf den offenen Brief der AGZ an den Bundesrat Alain Berset. Der offene Brief fordert den Bundesrat auf, seinen TARMED-Tarifeingriff zurückzuziehen.
 
In unserem Schreiben weisen wir unter anderem auf Auswertungsergebnisse hin, die zeigen, dass ein durchschnittlicher Facharzt im Kanton Zürich mit einer 100% TARMED Tätigkeit heute nur noch ein Einkommen erwirtschaftet, das einem Bruttolohn von ca. 145‘000 CHF entspricht. Im Vergleich zum Referenz-Bruttolohn, der bei Einführung des TARMED auf CHF 175‘710 festgelegt wurde, erleiden Ärzte mit diesem durchschnittlichen Bruttolohn bereits heute einen Einkommensverlust von 17%. Der Tarifeingriff würde nun einen weiteren Einkommensverlust von 4% bedeuten. 
 
Sie fragen in Ihrem Schreiben plausible und transparente Daten zu den von uns vorgebrachten Argumenten nach, die wir Ihnen hiermit gerne liefern.
 
Die Berechnung des durchschnittlichen 100%-TARMED-Einkommens eines Facharztes im Kanton Zürich beruht auf dem sogenannten „Gestehungskostenmodell“, welches die AGZ für den Kanton Zürich auch in den Taxpunktwertverhandlungen und im laufenden Festsetzungsverfahren verwendet. Anhand von Daten der Rollenden Kostenstudie (RoKo)1, werden in diesem Modell die durchschnittlichen Praxisaufwendungen (Kosten der Praxisführung) und die durchschnittlichen Erträge aus TARMED Leistungen der an der Erhebung teilnehmenden Zürcher Ärzte ermittelt und auf ein 100% Arbeitspensum normiert. 
 
Im Jahr 2015 lag der durchschnittliche Ertrag der Zürcher Ärzte bei einem 100%-TARMED-Pensum bei CHF 364‘838.75; der entsprechende durchschnittliche Praxisaufwand bei CHF 197‘834.56. Damit betrug das durchschnittliche Praxisergebnis CHF 167‘004.19. Vom diesem Praxisergebnis bezieht der freipraktizierende Arzt sein Einkommen, er muss als Selbständiger aber noch die Arbeitgeberbeiträge abführen. Bei rund 17% für Arbeitgeberbeiträgen beträgt entspricht das durchschnittliche Praxisergebnis eines Zürcher Arztes, wenn er in einem 100%-Pensum TARMED-Leistungen erbringt, einem Bruttolohn eines Angestellten von CHF 138‘613.48. Dieser Betrag, der auf den aktuellsten RoKo-Zahlen beruht, ist demnach noch etwas geringer, als der im offenen Brief angegebene Betrag von ca. CHF 145‘000. 
 
Vergleicht man dieses durchschnittliche Bruttoeinkommen mit dem Referenz-Bruttolohn, der bei Einführung des TARMED auf CHF 175‘710 festgelegt wurde, beträgt die Einkommenslücke CHF 37‘096.52. Die aktuellen Zahlen der RoKo-Studie zeigen also sogar einen Einkommensverlust von 21% (und nicht nur von 17%) gegenüber dem Referenz-Einkommen auf. 
 
Durch den Tarifeingriff des Bundesrates käme nun nochmals ein Einkommensverlust von 4% hinzu. Simulationen der Auswirkungen des Tarifeingriffes der FMH zeigen, dass Zürcher Ärzte ohne Eingriff rund 1‘542 Mio. Taxpunkte abrechnen, mit Eingriff sind es noch 1‘481 Mio. Taxpunkte. Bei dem aktuellen Zürcher Taxpunktwert von 89 Rappen ist das ein Gesamtumsatz von CHF 1‘373 Mio. ohne und CHF 1‘318 Mio. mit Tarifeingriff. Insgesamt haben die Zürcher Ärzte also nochmals CHF 54 Mio. weniger, was einem weiteren Einkommensverlust von 4% entspricht. 
 
Wir hoffen, dass wir unsere Forderung, den Tarifeingriff zurückzunehmen, mit diesen Ausführungen weiter untermauern können.
 
Freundliche Grüsse
ÄRZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZÜRICH
 
Dr. med. Josef Widler
Präsident
Dr. iur. Michael Kohlbacher
Generalsekretär

1 Die Rollende Kostenstudie (RoKo) sammelt Daten über die Infrastruktur, den Aufwand und Ertrag von Arztpraxen. RoKo wurde von der Ärztekasse entwickelt und wird seit 1990 im Auftrag der Ärztegesellschaften durchgeführt. Es handelt sich um die einzige Datenquelle zur betriebswirtschaftlichen Situation in Arztpraxen. RoKo fliesst in die vom BAG lancierte MARS Erhebung ein.

Hinweis an die Leserschaft

Seit dem 13. Juni 2017 spannen Ärzteorganisationen aus der ganzen Schweiz zusammen, um den TARMED-Eingriff zu verhindern. Die Allianz für Versorgungssicherheit in der ambulanten Medizin SOS SANTÉ sammelt zurzeit Unterschriften für die Petition "Abgelehnt" gegen Bundesrat Bersets Tarifeingriff. Jetzt unterschreiben!

Antwort offener Brief

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