Versicherer bekämpfen Kantonsentscheid zum TPW

Montag, 2. Mai 2022
AGZ

Versicherer bekämpfen den Taxpunktwert von 91 Rp und gefährden damit die Zukunft der ambulanten Versorgung

Medienmitteilung der AGZ vom 2. Mai 2022

Anfang April 2022 hatten wir über die Festsetzung des Zürcher Taxpunktwerts für ambulante Arztleistungen auf 91 Rp durch den Regierungsrat informiert - und begründet, warum die Zürcher Ärzteschaft diesen Entscheid als Kompromiss und Schritt in die richtige Richtung akzeptiert. Seit Einführung des TARMED ist der Zürcher Taxpunktwert ständig gesunken, von 97 Rp. im Startjahr 2004 auf zuletzt 89 Rp. Die Versicherer wollen ihn um weitere 2 - 3 Rp senken und bekämpfen daher den Kantonsentscheid beim Bundesverwaltungsgericht.

Im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen

Die Versicherer bekämpfen den kantonalen Entscheid, obwohl der nachweislich zu tiefe Taxpunktwert dazu geführt hat, dass das Einkommen der Zürcher Ärzte heute unter dem Median aller Schweizer Ärzte liegt. In allen anderen Branchen, auch in der Krankenversicherungsbranche, werden im Kanton Zürich die höchsten Löhne bezahlt. Die Krankenversicherer sitzen somit im Glashaus und werfen mit Steinen.

Es reicht – Zürcher Ärzte haben genug von Einkommensdiskussion

Die Zürcher Ärzte haben genug von der Diskussion über ihre Einkommen. Wer behauptet, dass ein mittleres Einkommen von CHF 156 435

  • für einen selbständigen Arzt im Alter zwischen Mitte 50 und 60 (45% aller selbständigen Ärzte sind unter 55 Jahre alt, 55% sind über 55 Jahr alt, 16% sind 65 Jahr und älter) [Einkommen der selbstständigen Ärztinnen und Ärzte in Arztpraxen im Jahr 2019, BFS 2019]
  • für Ärzte aller Fachgebiete (Kinderärzte, Hausärzte, Psychiater, Kardiologen, Radiologen etc.)
  • für einen hochqualifizierten Unternehmer, der vor Beginn seiner Unternehmertätigkeit ca. 12 Jahre Medizinstudium und Facharztausbildung hinter sich hat und sich neben seiner Berufsausübung ständig mit den modernsten medizinischen Entwicklungen beschäftigt und umfassend weiterbildet

zu hoch ist, der soll das seinem Arzt/seiner Ärztin offen ins Gesicht sagen! Vor allem die Manager der Krankenkassen in ihren Teppichetagen, die ihren Kunden das Blaue vom Himmel versprechen, sollen offen sagen, ob sie von einem von ihnen nur mittelmässig bezahltem Arzt tatsächlich Tag für Tag Spitzenleistungen erwarten!

Schluss mit Prämienlüge und Drohung mit Prämienerhöhungen

Es ist grotesk, dass der Krankenkassenverband santésuisse auch in diesem Fall wieder mit Prämienerhöhungen droht. Die Versicherer verschweigen, dass im Kanton Zürich mit dem schweizweit höchsten Bevölkerungseinkommen die mittleren Krankenkassenprämien tiefer sind als im Schweizer Mittel. Und dass ein durchschnittlicher Haushalt trotz gestiegener Krankenkassenprämien über ständig steigende Einkommen verfügt. [BFS - Haushaltsbudgeterhebung]  Die (sinkenden) Einkommen der Zürcher Ärzte sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass immer mehr Leistungen über Krankenkassenprämien bezahlt werden müssen (heute 38%, bei der Einführung des KVG 30%). Wäre der prämienfinanzierte Anteil des Gesundheitswesens konstant geblieben, wären die Prämien heute um 20% niedriger. [BFS – Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens, Finanzierung des Gesundheitswesens nach Finanzierungsregimes, T14.5.2.1, Stand der Daten: 31.3.2021]  Ausser Frage steht, dass die Prämienlast der tiefen Einkommensbezieher reduziert werden muss.

Zukunft der ambulanten ärztlichen Versorgung sichern und nicht gefährden

Die Versicherer gefährden mit ihrem Angriff auf die Einkommen der Ärzte die ambulante Versorgung der Bevölkerung. Denn immer weniger Ärzte sind bereit, eine Praxis zu übernehmen, dabei immer mehr administrative Auflagen zu erfüllen, hohen Ansprüchen der Patienten zu genügen, sinkende Einkommen hinzunehmen und sich dann auch noch als Kostentreiber hinstellen zu lassen. Die ab dem Jahr 2025 geplante Einführung von Höchstzahlen für Ärzte erübrigt sich, denn es werden bis dann viele Praxen geschlossen werden.

Die ambulante ärztliche Versorgung ist die günstigste Versorgung. In der Schweiz hat die ambulante ärztliche Versorgung eine sehr hohe Qualität. Zur Sicherung dieser hochstehenden, günstigen ärztlichen Versorgung ist es fünf vor zwölf. Dazu braucht es

  • einen Schluss mit dem Angriff auf die Arzteinkommen,
  • die Genehmigung des modernen Arzttarifs TARDOC durch den Bundesrat,
  • einen Stopp der Planungen, Globalbudgets im KVG zu verankern,
  • eine einheitliche Finanzierung (EFAS) von ambulanten Arztleistungen und von Spitalleistungen  aus Krankenkassenprämien und Steuergeldern.

Die Zürcher Ärzte sind bereit, ihren Beitrag zu einer kostengünstigen, qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung zu leisten. Sie erwarten von den Krankenkassen, dass sie ihre die Versorgung gefährdende Haltung aufgeben, die Leistungen der Ärzte wertschätzen und mit fairen Tarifen abgelten.

Für Nachfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. med. Josef Widler, Präsident, 079 448 79 48, josef.widler@agz-zh.ch