Zürcher Ärzte kämpfen in Bern gegen KVG-Revision

Donnerstag, 28. September 2017
AGZ

BERN - In der laufenden KVG-Revision will der Bund auch die Zulassungen für ambulant tätige Ärzte erschweren. Zürcher Ärzte warnen deshalb heute auf dem Bundesplatz vor den Konsequenzen: Längere Wartezeiten.

Erschienen am 28.09.2017 im Blick
Autor: Julien Duc

Zürcher Ärzte warnen heute vor den Folgen der angedachten Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG). Mit Animationen auf E-Boards im Bahnhof Bern und im Gespräch mit National- und Ständerräten vor der Session auf dem Bundesplatz weisen sie auf die Konsequenzen der Revision hin. 

Diese sieht eine verschärfte Zulassung von ambulant tätigen Ärzten vor. Das ist insofern brisant, als das der Bund ambulante Behandlungen aus Kostengründen stationärer Behandlung vorziehen. Zu wenig Personal bei steigender Nachfrage bedeutet vor allem eines: Längere Wartezeiten. 

Die Ärztegesellschaft des Kanton Zürichs hält nichts von dieser Zulassungssteuerung, wie ihr Präsident Josef Widler auf Anfrage von BLICK sagt: «Längere Wartezeiten will doch niemand.» Besonders ambulante Privatpraxen hätten dann Mühe, genügend Ärzte zu finden. «Die Konsequenz davon ist die Verlagerung der ambulanten Behandlungen in die Spitäler, wo die Behandlungen viel teurer sind», gibt Widler zu bedenken.

Die Zürcher Ärzte wollen auf diese Schwächen der Revision aufmerksam machen. Deshalb suchen sie heute vor Beginn der Session das Gespräch mit den Parlamentariern. Bei dieser Gelegenheit übergeben sie den Politikern gleich ihre Vernehmlassungsantwort zur laufenden Revision. Die Zürcher Ärzte erhoffen sich so Einfluss zu nehmen. 

Bundesrat gibt Prämienerhöhung für 2018 bekannt 

Die steigenden Gesundheitskosten stellt auch die Ärzteschaft unter Druck. Auch dazu haben die Zürcher Ärzte eine klare Meinung. Widler fordert: «Es braucht eine einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen.» 

Der Bund will aber ambulant vor stationär – Bundesrat Alain Berset (46) hat dafür den Tarif für ambulante Operationen gesenkt. Aber: «Momentan beteiligen sich die Kantone null an den Kosten für ambulante Behandlungen. Nur an Stationären», empört sich Widler. Die ambulanten Behandlungen gehen voll und ganz zu Lasten der Prämienzahler. «Diese Situation ist schizophren», resümiert der Präsident der Zürcher Ärzte. 

Dass die Kantone sich gleichermassen an ambulanten wie an stationären Behandlungen beteiligen, schlägt auch der Krankenkassenverband Santésuisse als mögliche Massnahme vor, wie man die Gesundheitskosten besser in den Griff bekommt (BLICK berichtete). 

Heute Donnerstag informieren Sozialminister Alain Berset und das Bundesamt für Gesundheit über die Prämiensituation 2018. Alles andere als eine Erhöhung von ungefähr 4 Prozent käme einer Überraschung gleich. 

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