Nein zu Wartezeiten und Rationierungen

Donnerstag, 28. September 2017
Administrator

Mit seinem Vorschlag zur KVG-Teilrevision überspannt der Bundesrat den Bogen. Eine Verschärfung der bereits bestehenden Zulassungssteuerung wird zu Qualitätseinbussen, längeren Wartezeiten vor medizinischen Eingriffen und zu einer Rationierung von Facharztleistungen führen. 

Aus diesem Grund lanciert die AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH heute eine Petition an Bundesrat Alain Berset mit der Forderung "Nein zu Wartezeiten und Rationierungen!". Gleichzeitig verteilte heute morgen früh eine Delegation von Zürcher Ärztinnen und Ärzten Flyer und weiterführende Informationen an die Mitglieder der eidgenössischen Räte.

Bilder vom Bundesplatz heute früh in Webauflösung

Bilder vom Bundesplatz in druckfähiger Auflösung

Die AGZ zeigt sich sehr besorgt über die Stossrichtung und die einzelnen Massnahmen der vorgeschlagenen Teilrevision des KVG. Diese Besorgnis ergibt sich aus diesem Gesetzesvorhaben und aus seinem gesundheitspolitischen Kontext, in dem es gemäss Medienmitteilung vom 25. August 2017 des EDI steht: Bund und Kantone verfolgen das prioritäre gesundheitspolitische Ziel einer Kosteneindämmung im Gesundheitswesen und planen unter dieser Zielsetzung die gegenständliche Teilrevision des KVG, den Eingriff in die Tarifstruktur des TARMED und die Strategie ambulant vor stationär – letztere, ohne eine einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen anzugehen. Zusammenfassung herunterladen.

Studien zu den Wartezeiten vor Eingriffen und Konsulationen zeigen, dass die Schweiz derzeit sehr gut dasteht. In anderen europäischen Ländern sind längere Wartezeiten aber gang und gäbe. Mit vergleichenden Beispielen aus den skandinavischen Ländern zeigt die AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH über E-Boards in Bern ParlamentarierInnen und Bevölkerung, was auf dem Spiel steht.

Download weitere Beispiele

Zudem wird die Vorlage eine Zunahme statt eine Senkung der Gesundheitskosten generieren - es sei denn, das ambulante Angebot wird drastisch reduziert. Nach Ansicht der AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH ist es deshalb an der Zeit, über Alternativen zu Leistungsbe- und -ausgrenzungen zu diskutieren.


NEIN zu Rationierungen von Facharztleistungen und Operationen 

Solche Rationierungen hätten schwerwiegende  Kollateralschäden für die Patienten zur Folge. In der Schweiz gibt es gerade dank der hohen Spezialärzte-Dichte für die Gesamtbevölkerung kaum Wartezeiten auf Facharzttermine und nicht lebensnotwendige Operationen. Nur eine starke Senkung der Anzahl ambulant tätiger Spezialärzte könnte Auswirkungen auf die Gesundheitskosten haben. Das würde aber auch bedeuten, dass der Bedarf der Bevölkerung an Gesundheitsleistungen nicht mehr vollständig oder nur mit teils langen Wartezeiten abgedeckt werden könnte, wie das in anderen Ländern (z.b. Norwegen oder Grossbritannien) bereits der Fall ist.

Abgesehen von den Wartezeiten hätte die Rationierung von nachgefragten Facharztleistungen weitere negative Auswirkungen auf Patienten. Neben der Einschränkung der Lebensqualität während des Wartens auf die benötigte Leistung sind dies verlängerte Arbeits- und Verdienstausfälle; oder bei einer Operation auch das Risiko, dass diese überhaupt nicht mehr stattfindet, da sie «jetzt» sinnvoll ist, später aber keine Verbesserung der Lebensqualität mehr bringen würde, der Patient inzwischen inoperabel geworden oder im schlimmsten Fall verstorben ist. 

Teure Verlagerung der Versorgung in Spitälern und Zentren

Neu sollen in den Kantonen Gesamt-Höchstzahlen für alle im ambulanten Bereich tätigen Ärztinnen und Ärzte gelten (das heisst in Praxen, in ambulanten ärztlichen Institutionen und in Spitälern). Das wird zu einer weiteren Verlagerung von Leistungen in die nachweislich teureren Spitalambulatorien und grossen ambulanten ärztlichen Institutionen führen, die die Kontingente vorrangig ausschöpfen werden. Damit werden die Versorgung teurer, die Prämien weiter steigen, und die öffentlichen Finanzen von Bund und Kantonen stärker belastet.

Mehr Kosten durch mehr Bürokratie 

Durch ein Zulassungsverfahren der Krankenkassen, durch obligatorische Qualitätsprogramme und weitere Datenlieferungen werden noch mehr administrative Hürden für die ärztliche Berufsausübung entstehen. Bereits jetzt ist der bürokratische Aufwand für viele Ärzte eine zu grosse Hürde für die Selbständigkeit. Die zusätzliche Bürokratie wird ausserdem zu noch mehr Verwaltungskosten bei den Versicherern führen. 

Ärztedichte als untauglicher Indikator für Gesundheitskosten

Ein Vergleich der OECD Länder zeigt, dass die Ärztedichte weniger mit den Gesundheitskosten korreliert, als die Zahl der Spitalbetten. Warum der Bundesrat trotzdem mittels Senkung der Zahl ambulanter Ärzte und nicht z.B. mittels Limitierung von Spitälern oder Spitalbetten die Gesundheitskosten beeinflussen will, ist nicht nachvollziehbar. Die vorgeschlagenen Massnahmen basieren nicht auf einer Wirkungsanalyse, sondern sind willkürlich gewählt. Es ist Zeit für eine Diskussion über sinnvolle und effiziente Alternativen.

Die Alternativen der AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH

  • Mehr Qualität ohne zusätzliche Bürokratie
  • Stärkung des spitalexternen Sektors und der regionalen Versorgung
  • Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und mehr Wettbewerb durch "Vertrags- und Wahlärzte"
  • Mehr Eigenverantwortung

Fazit

Wem etwas an der Qualität unseres Schweizer Gesundheitswesens liegt, der hilft mit, die Revision des KVGs im Sinne der Schweizer Bevölkerung mitzuprägen. Die aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik sind besorgniserregend, aus diesem Grund lancieren wir heute unsere Petition "NEIN zu Wartezeiten und Rationierungen".

Für weitere Informationen zu unserer Position können Sie hier die ganze Vernehmlassungsantwort zur Teilrevision des Krankenversicherungsgesetzes der AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH herunterladen. 

Freundliche Grüsse

Josef Widler

Präsident AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH

Kontakt: 079 448 79 48

 

Keine Wartezeiten und Rationierungen!

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Nein zu Wartezeiten und Rationierungen!

Der Bundesrat setzt mit der KVG-Revision vieles aufs Spiel. So zum Beispiel den weltweit 3. Platz der qualitativ besten Gesundheitswesen. Sagen auch Sie Nein zu Wartezeiten und Rationierungen!

795 Menschen haben die Petition an Bundesrat Berset unterzeichnet.
Unser Ziel: 750 Unterschriften.

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