2. TARMED-Eingriff bleibt für Notfallärzte ein Problem

Donnerstag, 17. August 2017
AGZ

Nach langwierigen Verhandlungen schien die Neuorganisation des Notfalldienstes im Kanton Zürich bis heute auf gutem Wege. Der heutige Bundesratsentscheid zum TARMED-Eingriff definiert unter anderem Notfälle neu und setzt damit die zukunftsweisende Lösung des Kantons Zürich mit einheitlicher Telefonnummer und ärztlich geleiteter Triagestelle zu Lasten der Zürcher Bevölkerung wieder aufs Spiel.

In der heutigen Pressekonferenz versprach Bundesrat Alain Berset zwar, dass der Eingriff die Versorgungssicherheit nicht gefährde. Neu kann die Notfall-Inkonvenienzpauschale tagsüber jedoch nur noch in Fällen verrechnet werden, bei denen “eine Störung der vitalen Funktionen oder eine Organschädigung vorliegt oder nicht ausgeschlossen werden kann”. Der Bundesrat sieht dies als Massnahme vor, damit die Pauschale angemessen abgerechnet wird.

 

In der Praxis bedeutet diese Neudefinition jedoch, dass jene Fälle, die in den Verantwortungsbereich des derzeit im Entstehen begriffenen kantonalen Notfalldienstes fallen, gemäss Tarmed nicht mehr als Notfälle gelten und somit auch nicht mit der Pauschale entschädigt werden.

 

Neue Notfalldefinition schliesst viele Fälle aus

 

Josef Widler, Präsident der AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH kritisiert den Entscheid: “Der Bundesrat macht falsche Versprechungen, wenn er sagt, dass die ambulante Notfallversorgung nicht gefährdet werden darf. Neu gelten nur noch jene Fälle als Notfälle, für die der Rettungsnotruf 144 zuständig ist. Mit der Neudefinition werden ein Kind mit Fieber, eine Patientin mit einem Migräneanfall oder etwa ein Patient mit einer Blinddarmreizung künftig nicht mehr als Notfälle anerkannt. Soll das heissen, dass solche Fälle ein ganzes Wochenende die Schmerzen aushalten müssen? Der Bundesrat vergisst, dass die Finanzierung der ambulanten Notfalldienste am Tag durch den generellen Wegfall der Pauschale genauso gefährdet ist. ”

 

Die Definition des Notfalles ist wichtig. Sie steht in engem Zusammenhang mit der ärztlichen Beistandspflicht gemäss Gesundheitsgesetz, die nur im Notfall gilt. Sollte diese Neudefinition wirklich so in der Verordnung stehen, wären Ärzte in den oben erwähnten und vielen weiteren Fällen nicht mehr zur Behandlung verpflichtet. Dies kann so nicht im Interesse der Bevölkerung sein. Die Inkonvenienzpauschale muss auch tagsüber geltend gemacht werden können, die Kosten für Unterbruch des Praxisbetriebs bzw. Vorhalteleistungen im Notfalldienst entstehen während des ganzen Tages, also tagsüber und nachts.

 

Die AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH fordert im Interesse der Zürcher Bevölkerung Bundesrat Berset dringend auf, die Definition des Notfalls und der zeitlichen Anwendbarkeit der Inkonvenienzpauschale bis zur formellen Verabschiedung des Tarmed-Eingriffs im Herbst so anzupassen, dass sie mithilft, die medizinische Versorgung der Zürcher Bevölkerung im Notfall zu sichern statt sie zu gefährden.

 

Neuorganisation des ambulanten Notfalldienstes in Gefahr

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