Jetzt schiessen Ärzte gegen Ignazio Cassis

Donnerstag, 20. Juli 2017
AGZ

ZÜRICH -  Der Tessiner Bundesratskandidat Ignazio Cassis (56) ist Lobbyist für die Krankenkassen in Bundesbern. Im Streit um die Tarifkürzungen beim Ärztetarif Tarmed schiessen deshalb die Ärzte nun gegen Cassis.

Erschienen am 19.07.2017 im Blick
Autor: Benedikt Theiler

Um auf die aus ihrer Sicht problematischen Anpassungen beim Ärztetarif Tarmed aufmerksam zu machen, haben die Ärzte schon einiges versucht. So haben sie einen offenen Brief an Gesundheitsminister Alain Berset (45) verfasst (BLICK berichtete) und Bundespolitikern vor dem Bundeshaus abgepasst. Nun gehen sie einen Schritt weiter und nehmen auf Plakatwänden in der Berner Innenstadt FDP-Bundesratskandidat Ignazo Cassis (56) ins Visier.

Cassis, der richtige Ansprechpartner

Bei der Tarmed-Anpassung geht es um 700 Millionen Franken. So viel will Berset mit Kürzungen beim Ärztetarif einsparen. 700 Millionen, die laut Josef Widler (63), Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, den Ärzten weggenommen werden. Für Widler ein No-Go.

Josef Widler, Präsident AGZ

Für Josef Widler (63), Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, sind die von Berset vorgeschlagenen Anpassungen beim Ärztetarif «der falsche Weg». 

Nun sei Cassis der «richtige Ansprechpartner», ist Widler überzeugt. Nicht, weil er nun als Bundesratskandidat gehandelt werde, sondern «weil er die Interessen der Krankenkassen in Bern vertritt». Als Arzt müsse Cassis aber auch die Auswirkungen kennen, welche die Anpassung beim Ärztetarif auf seine in der ambulanten Praxis tätigen Berufskollegen habe.

Cassis’ Irrglauben korrigieren

Auf mehreren Plakaten in der Berner Innenstadt ruft Widler Cassis jetzt zum Dialog auf. «Wir wollen den Irrglauben, den Herr Cassis vertritt, korrigieren», rechtfertigt Widler die Aktion der Ärztegesellschaft. Der Krankenkassen-Lobbyist spreche von überhöhten Löhnen bei den Ärzten. Dem sei aber nicht so, denn: «Während die Prämien der Krankenkassen jährlich gestiegen sind, ging es mit den Löhnen der Ärzte stetig zurück.»

Nun würden durch die Tarmed-Anpassungen die Stundenlöhne der Ärzte in der ambulanten Medizin nochmals gekürzt. «Das ist der falsche Weg und muss korrigiert werden», ist Widler überzeugt.

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