«Künftig drohen Wartezeiten wie in Deutschland.»

Donnerstag, 8. Juni 2017
AGZ

Der Vorschlag des Bundesrates droht, den Nachwuchsmangel im pschiatrisch-psychotherapeutisch Bereich sowie in der Radiologie noch zu verschärfen. 

Erschienen am 03.06.2017 in der Südostschweiz

Bereits heute verdienten sie unter allen Ärzten am wenigsten, schreibt die Dachorganisation der psychiatrisch- psychotherapeutisch tätigen Ärzte der Schweiz (FMPP). Mit dem Vorschlag des Bundesrats sinkt ihr Verdienst noch weiter. Damit werde der Beruf noch weniger attraktiv, obwohl schon ein Nachwuchsproblem bestehe, sagen Psychiater. Bereits heute warten Patienten sechs bis sieben Wochen auf einen Termin. Künftig drohten Wartezeiten, wie man sie in Deutschland kennt. Dort müssen sich Patienten über 20 Wochen gedulden. Die FMPP stört sich zudem an der tieferen Vergütung der Leistungen in Abwesenheit der Patienten. Dazu gehören Gespräche mit Angehörigen, Behörden oder Schulen. Pro Monat und Patient werden künftig nur noch 30 Minuten vergütet. «Diese Gespräche sind ein unverzichtbares Arbeitsinstrument und weltweit anerkannt», sagt Alexander Zimmer, Vorstandsmitglied der FMPP. Der Einbezug anderer Fachpersonen sei wichtig. Droht ein Elfjähriger wegen einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung von der Schule zu fliegen, könnte die Therapie scheitern, wenn solche Gespräche nicht mehr möglich sind. Der Verband fürchtet, dass es zu mehr Einweisungen von Patienten in Kliniken kommt.

Die Radiologen lehnen den Vorschlag ab. Sorgen haben sie, was die Untersuchungen mittels Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRI) betrifft. «Künftig sollen nur noch die technischen, aber nicht mehr die wichtigen und unverzichtbaren Anteile der ärztlichen Leistung vergütet werden. Das ist für uns nicht vertretbar», sagt Professor Dominik Weishaupt, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Radiologie.

«Unsere Arbeit wird entwertet»

Zwar seien die Ärzte bei den Untersuchungen nicht immer anwesend, bei der Vor- und Nachbearbeitung seien sie aber nach wie vor stark involviert. So müsse die Untersuchung geplant werden, oft komme es zu Rücksprachen mit zuweisenden Ärzten und Patienten. Zudem sind die Radiologen für den Strahlenschutz zuständig und tragen die Verantwortung. Ohnehin machten CT und MRI nur 43 Prozent der Kostenvolumen in der Bildgebung aus. Warum der Ultraschall, der grösste Kostenblock, von der Tarifanpassung ausgenommen sei, versteht Weishaupt nicht. Die Radiologen würden dazu degradiert, die Befunde der Untersuchungen nur zu interpretieren, sagt er.

«Wir werden zu einem rein technischen Beruf reduziert, was unsere Arbeit entwertet.» Dies senke die Attraktivität für angehende Ärzte. «Es ist dagegen unbestritten, dass der erzielte technische Fortschritt weitergegeben wird», sagt Weishaupt. «Wir können heute während eines Tages klar mehr Untersuchungen machen als früher.» Daher sei es vertretbar, die technische Leistung zu kürzen.

Wartezeiten wie in Deutschland

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