Ärzteprotest gegen tiefere Löhne

Donnerstag, 8. Juni 2017
AGZ

Die Revision von Bundesrat Alain Berset würde vor allem Dermatologen benachteiligen.

Erschienen am 03.06.2017 in der Südostschweiz, Autor: Andreas Möckli

Die Ärzte kritisieren die Änderung des Ärztetarifs Tarmed scharf. Der Bundesrat hat Ende März entschieden, den Tarif anzupassen, nachdem sich die Ärzteschaft und die Krankenkassen nicht einigen konnten. Mit der Änderung will die Landesregierung rund 700 Millionen Franken sparen. Die Leistungen der Ärzte sollen künftig nicht mehr danach bewertet werden, wie lange ihre Ausbildung dauert. Zudem soll der Tarif den medizinischen und technischen Fortschritt abbilden, da viele Behandlungen und Untersuchungen heute deutlich kürzer sind. Aus ihrer Sicht stark betroffen sind Hautärzte.

In Briefen an Bundesrat Alain Berset warnen sie eindringlich vor den Folgen: «Wollen Sie als derjenige Bundesrat in die Geschichte eingehen, der die ambulante dermatologische Versorgung der Schweizer Bevölkerung abgeschafft hat?», schreibt etwa Andreas Arnold, Präsident der Dermatologischen Gesellschaft Basel. Der Grund für seine Aufregung ist die Anpassung einer Tarifposition, die die Untersuchungen der Dermatologen vergütet. «Im Gegensatz zu vielen anderen Fachrichtungen verlassen sich die Hautärzte vor allem auf ihr Auge», sagt Arnold im Gespräch mit der «Nordwestschweiz ». Keine andere ärztliche Disziplin leite aus der klinischen Beobachtung so viele medizinische Erkenntnisse ab. Teure technische Hilfsmittel kämen nur selten zum Einsatz.

Mit der Senkung der Tarifposition werde diese Spezialisierung der Dermatologen nicht mehr honoriert. Die Änderungen gingen für die Dermatologen ans Eingemachte. «Wir haben den Eindruck, dass wir sehr stark beschnitten werden», sagt Andreas Arnold. Er warnt vor einer Zweiklassenmedizin. Um die Umsatzeinbusse zu kompensieren, seien die Hautärzte gezwungen, gewisse Behandlungen nicht über die Krankenkasse abzurechnen. Die Patienten müssten einen Teil der Behandlungen selbst bezahlen.

Ein Spiessrutenlauf

Problematisch sei zudem, dass ein Dermatologe einen Patienten nur noch 30 Minuten innert dreier Monate behandeln darf. Müsse sich ein Patient in diesen drei Monaten mehrmals untersuchen lassen, müsse er den Dermatologen wechseln oder in ein Spital gehen, was unsinnig sei. Was der Tarmed-Eingriff für konkrete finanzielle Folgen hat, will Arnold nicht sagen. Laut Recherchen der «Nordwestschweiz» rechnen verschiedene Dermatologen mit einer Umsatzeinbusse von 30 Prozent. In der Folge würden sie vermehrt auf kosmetische Behandlungen ausweichen, so etwa die Behandlung von Hautflecken, Haarentfernung oder die Bekämpfung von Hautfalten mit Botox. Arnold warnt, dass als Folge der Anpassung mittelfristig Praxen von Dermatologen geschlossen werden. Er befürchtet deutsche Verhältnisse, wo Patienten teilweise mehrere Monate auf einen Termin beim Hautarzt warten müssen. Ganz ähnliche Befürchtungen äussern die Psychologen und Psychiater.

 

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