Tarmed: Ärzte fordern Rückzug oder «massive» Nachbesserung

Mittwoch, 24. Mai 2017
AGZ

Unter Führung von AGZ-Präsident Josef Widler demonstrierten Ärzte in Bern gegen den geplanten Tarmed-Eingriff des Bundes. Er führe nicht zu tieferen, sondern zu höheren Kosten.

Erschienen am 23.05.2017 auf Medinside

Der Aufruf war breit abgestützt, aber er erfolgte wohl allzu kurzfristig. So fanden sich am Dienstagvormittag lediglich rund 30 Ärztinnen und Ärzte auf dem Bundesplatz ein, um gegen den Tarmed-Eingriff von Gesundheitsminister Alain Berset zu demonstrieren.

Angeführt wurde die Demonstration von Josef Widler, dem Präsidenten der Zürcher Ärztegesellschaft (AGZ), der einem Mitarbeiter von Gesundheitsminister Alain Berset eine zwei Meter grosse «Spritze der Weisheit» überreichte. 

Eingriff zurückziehen oder nachbessern

«Ich bin voller Hoffnung, dass die Weisheits-Spritze für Bundesrat Alain Berset auch Wirkung zeigt und der geplante Tarmed-Eingriff zurückgezogen oder massiv nachgebessert wird», betonte Widler.

Der Forderung verleiht er in einem offenen Brief an Berset Nachdruck, welcher von 2'600 Anhängern unterzeichnet wurde. Im Brief werden einmal mehr verschiedene Konsequenzen formuliert, welcher der Tarmed-Eingriff aus Sicht der Ärzte nach sich ziehen würde, unter anderem: 

  • Die geplante Streichung der Notfall-Inkonvenienzpauschale gefährde die ambulante Notfallversorgung. 
  • Die zeitliche Beschränkung der Konsultationen auf 20 Minuten erhöhe die Kosten durch nicht vollständig beratene Patienten. 
  • Die Senkung der Abrechnung von Leistungen in Abwesenheit des Patienten schade der interdisziplinären Zusammenarbeit.
  • Honorare von Handchirurgen würden auf die Hälfte des heutigen Werts fallen.
  • Erhöhtes Krebsrisiko und mehr Unannehmlichkeiten für Patienten der Gastroenterologie

Gesamtrevision vorantreiben

Nach Ansicht der Ärzte werde mit der Sparübung des Bundes wenig differenziert am falschen Ende gespart. Unter dem Strich führe der Tarifeingriff zu höheren Kosten und nicht zu den versprochenen Einsparungen von 700 Millionen Franken, behaupten die Mediziner. 

Anstatt der Lösung des Bundesrats verlangen sie, die Gesamtrevision des Tarmed voranzutreiben.

Der geplante staatliche Eingriff in die ambulanten Tarife kommt nicht nur bei den Ärzten schlecht an, er wird auch von den Spitälern kritisiert (siehe hier).

TARMED: Am falschen Ende gespart

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