2m-Spritze Weisheit für Bundesrat Alain Berset

Dienstag, 23. Mai 2017
AGZ

Dienstag, 23. Mai 2017 - 30 Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Unterstützerinnen und Unterstützer übergaben in Bern die über 2600 Unterschriften an einen Vertreter von Bundesrat Berset. Er soll seinen gefährlichen Vorschlag für einen Tarifeingriff beim TARMED zurückziehen.

Medienmitteilung vom 23. Mai 2017

Heute Vormittag traf sich Josef Widler, Präsident AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH mit ca. 30 Ärztinnen und Ärzten aus mehreren Kantonen sowie weiteren Unterzeichnenden in Bern, um einem Vertreter von Bundesrat Alain Berset seinen offenen Brief zu übergeben. Darin fordert er zusammen mit über 2600 Mitunterzeichnerinnen und -unterzeichnern den Gesundheitsminister auf, seinen gefährlichen Vorschlag für einen Tarifeingriff beim TARMED zurückzuziehen.

"Ich bin voller Hoffnung, dass die 2 Meter grosse Weisheits-Spritze für Bundesrat Alain Berset, die wir heute übergeben haben, auch Wirkung zeigt und der geplante TARMED-Eingriff zurückgezogen oder zumindest massiv nachgebessert wird" gab er Herrn Binder, Vertreter von Bundesrat Berset mit auf den Weg.

Insgesamt wird mit der Sparübung wenig differenziert am falschen Ende gespart. Unter dem Strich führt dieser Tarifeingriff zu höheren Kosten und nicht zu den Herrn und Frau Schweizer versprochenen Einsparungen von 700 Millionen CHF.

Hier die Konsequenzen, die der TARMED-Eingriff nach sich zu ziehen droht:

1) Streichung der Notfall-Inkonvenienzpauschale für mobile Notfallärzte (SOS-Ärzte), Permanencen und Walk-in-Praxen gefährdet die ambulante Notfallversorgung

2) Zeitliche Beschränkung der Konsultation auf 20 Minuten - erhöht die Kosten durch nicht vollständig beratene Patienten und daraus folgend vorzeitigen Behandlungsabbruch, unnötige zusätzliche Untersuchungen, Zweitmeinungen und Mehrfach-Behandlungen oder gar nutzlose Operationen auf Patientenwunsch

3) Reduktion und Limitierung der Abrechnung von Leistungen in Abwesenheit des Patienten schadet der interdisziplinären Zusammenarbeit zum Wohle von Kindern und Hilfsbedürftigen und generiert Mehrkosten für überflüssige Konsultationen

4) Kollateralschäden bei Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie für Kinder und Erwachsene schwächen die Grundversorgung

5) Senkung der Abgeltungen für chirurgische Leistungen im ambulanten Bereich, insbesondere für die Wechselzeit, führt zu Schliessungen ambulanter Kinderchirurgie-Praxen und Angebotsabbau vor allem im HNO-Bereich

6) Mehr Unannehmlichkeiten und erhöhtes Krebsrisiko bei Patienten der Gastroenterologie

7) 95% der handchirurgischen Eingriffe werden ambulant durchgeführt, deshalb sind Handchirurgen auf eine angemessene Entschädigung ihrer Leistungen über TARMED angewiesen. Aufgrund Ihres Tarifeingriffs würden die Honorare in diesem Bereich jedoch nur noch die Hälfte der heutigen betragen.

8) Tiefgehende und dauerhafte Destabilisierung unseres Gesundheitssystems sowie Überlastung der Notfallstrukturen und Qualitätseinbussen durch Abwertung der kardiologischen Leistungen um bis zu 67%

9) In der Dermatologie sind die Behandlungskosten deutlich höher als die Konsultationskosten: der Eingriff beschränkt dermatologische Konsultationen auf eine pro Patient im Zeitraum von drei Monaten. Das würde für Patienten bedeuten, dass sie sich in Notfällen - beispielsweise Patienten mit erhöhtem Hautkrebsrisiko - direkt an ein Spital wenden müssten, und womöglich sogar eingewiesen würden, wenn eine ambulante Behandlung deutlich kostengünstiger und effizienter wäre.

Wir hoffen jetzt, dass Herr Berset einsieht, dass der Eingriff gravierende Folgen für die Schweizer Bevölkerung hätte und die medizinische Versorgungssicherheit gefährdet. Stattdessen empfehlen wir, die laufende Gesamtrevision des TARMED als nachhaltige Lösung zu unterstützen und voranzutreiben.

Medienkontakt

Josef Widler, Präsident AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH  

josef.widler@agz-zh.ch

Telefon: 079 448 79 48

Dokumentation zum Download

2m-Spritze Weisheit für Bundesrat Alain Berset

Downloads:
brief_an_berset_23._mai_2017.pdfAusführlich begründete Version des Briefes an Bundesrat Berset

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