Notfalldienstpflicht bald zeitgemäss?

Mittwoch, 7. Dezember 2016
AGZ

Jahrzehntelang haben die Hausärzte den Notfalldienst erbracht, ohne nach einer finanziellen Abgeltung zu fragen. Und dies, obwohl bei einer Übertragung einer öffentlichen Aufgabe an eine Berufsgruppe ein verwaltungsrechtlicher Vertrag und eine Abgeltung für die Leistung des Dienstes gesetzlich vorgesehen sind.

Erschienen am 7.12.2016 in der NZZ, Autor: Esther Wiesendanger-Wittmer, Hausärztin, Delegierte AGZ, Zürich 

 

Zurzeit wird im Kanton darüber diskutiert, wie der ärztliche Notfalldienst in Zukunft gesichert werden soll (NZZ 25. 11. 16). Jahrzehntelang haben die Hausärzte den Notfalldienst erbracht, ohne nach einer finanziellen Abgeltung zu fragen. Und dies, obwohl bei einer Übertragung einer öffentlichen Aufgabe an eine Berufsgruppe ein verwaltungsrechtlicher Vertrag und eine Abgeltung für die Leistung des Dienstes gesetzlich vorgesehen sind.


Andere Berufsgruppen werden für Dienste für die Allgemeinheit entschädigt (Feuerwehr, Spitex, Spitäler). Der Dienst bei der Feuerwehr war früher gesetzlich vorgeschrieben. 1978 wurde die Freiwilligkeit der Teilnahme am Dienst der Feuerwehr im Kanton Zürich festgehalten. Heutzutage trägt die öffentliche Hand rund 60 Prozent der Kosten der Feuerwehr, das sind mehrere Dutzend Franken pro Einwohner und Jahr. Es wäre zeitgemäss, wenn auch die Ärzte die Möglichkeit hätten, sich vom Notfalldienst befreien zu lassen. Zumindest aber müsste der Notfalldienst überregional organisiert werden, damit er trotz schrumpfender Ärztezahl auch künftig im ganzen Kanton garantiert werden kann.


Die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) hat für das Problem eine Lösung erarbeitet: Durch überregionale Zusammenarbeit kann die Effizienz des Notfalldienstes deutlich erhöht werden. Die zunehmend angestellten Hausärzte sind nach einer 50-stündigen Arbeitswoche nicht bereit, zusätzlich Nachtdienste zu leisten. Dass Nachtdienste nicht einmal finanziell rentabel sind, weil durch den Tarif Tarmed schlecht abgegolten, hilft nicht, dieses Problem zu verkleinern.


Trotz den 10 Franken pro Einwohner und Jahr, welche die Lösung der AGZ die Gemeinden oder den Kanton kostet, wird diese Lösung langfristig eine kostensenkende Wirkung im Gesundheitswesen haben. Denn so können die weniger gravierenden Gesundheitsprobleme der Bevölkerung durch die kostengünstige Hausarztmedizin behandelt werden. Es ist bewiesen, dass es mit einer guten hausärztlichen Versorgung zu weniger unnötigen Hospitalisationen kommt. Die Ausbildungsstellen in der hausärztlichen Notfallmedizin sind ein weiteres innovatives und faszinierendes Novum im Gesamtangebot der AGZ, das zusätzlich zur langfristigen qualitativ hochstehenden Abdeckung des hausärztlichen Notfalldienstes beitragen wird.

Erschienen am 7.12.2016 in der NZZ, Autor: Esther Wiesendanger-Wittmer, Hausärztin, Delegierte AGZ, Zürich 

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