Organisation des Notfalldienstes: es geht auch anders

Sonntag, 4. Dezember 2016
AGZ

Konkrete Beispiele aus den Kantonen Solothurn und Bern.

Erschienen am 4.12.2016 in der Schweiz am Sonntag, Autor: Samuel Thomi 

 

Kanton Solothurn: «Der neue Notfalldienst funktioniert»

Die Bundesvorgabe ist klar: Die Kantone stellen einen ärztlichen Notfalldienst sicher. Während dessen Organisation in Bern zu reden gibt, weiss der Co-Präsident der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte des Kantons Solothurn (GAeSO) vorwiegend Gutes zu berichten: «Seit einem Jahr gilt das neue Notfalldienstreglement», sagt Florian Leupold. «Die Notfallversorgung funktioniert bestens.» Klar würden die Notfalldienste «von vielen freiberuflich praktizierenden Kolleginnen und Kollegen als lästig empfunden, aber das gehört nun mal dazu», kommentiert Leupold.

Beschwerden von Teilzeit arbeitenden Müttern oder Vätern dagegen sind dem Breitenbacher Arzt bisher nicht gehäuft zu Ohren gekommen. So betrachtet sei auch die oft zitierte Feminisierung als Ursache für Kritik kein Thema. Und für Spezialisten, denen es unmöglich ist, hausärztliche Notfalldienste zu leisten, gibt es eine zweckgebundene Ersatzabgabe.

«Als Verband sind wir uns bewusst, dass wir uns dieser Herausforderung werden stellen müssen», so GAeSO-Co-Präsident Leupold. Eine Professionalisierung des ärztlichen Notfalldienstes sei denkbar. «Doch dafür müsste die persönliche Pflicht zum Notfalldienst übertragbar werden.» (sat)

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Kanton Bern: Ärzte überprüfen Organisation des Notfalldiensts

Dass der Notfalldienst im Oberaargau wie im restlichen Kanton Thema ist, bestätigt auch Beat Gafner, Präsident der Bernischen Ärztegesellschaft (BEKAG). «Die Notfalldienstkreise bekunden zum Teil Mühe, den Dienst in ihren Gemeinden aufrecht zu erhalten.» Bislang hätten «Probleme gemildert oder gelöst werden» können, etwa mit der Fusion von Notfalldienstkreisen, mit Spitalnotfallpforten oder Walk-in-Praxen. Doch nun sieht die BEKAG «die Zukunft in einer Professionalisierung», so Gafner, «in der wohl die gesetzlich gegebene Notfalldienstpflicht weiterhin gilt, der Dienst realiter aber durch angestellte, besoldete Notfalldienst-Ärzte und Freiwillige gewährleistet wird.»

Als Vorreiter in dieser Frage gilt der Kanton Zürich. Aber auch Basel-Stadt, Basellandschaft, Aargau und Schwyz lassen private Notfalldienste bereits zu. Abklärungen dazu liefen seit Kurzem nun auch in Bern, erklärt Beat Gafner. Und fügt an: «Wir stehen noch am Anfang des eingeschlagenen Weges.» Auch beim Kanton ist man sich der Thematik bewusst: «Wir sind offen für neue Ideen, wie der ärztliche Notfalldienst in Zukunft aussehen könnte», sagt Linda Nartey, die stellvertretende Kantonsärztin. «Es sind auch regional unterschiedliche Modelle denkbar.» Aber eben, der Kanton organisiert den Notfalldienst nicht selber, sondern die Ärzte unter sich. «Und darum», so Nartey, «lancieren wir derzeit auch keine eigenen Projekte.» (sat)

Erschienen am 4.12.2016 in der Schweiz am Sonntag, Autor: Samuel Thomi 

Organisation des Notfalldienstes: es geht auch anders

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