Zürcher Ärzte fordern die Festsetzung eines fairen Taxpunktwerts

Donnerstag, 24. November 2016
AGZ

In voller Arbeitsmontur und mit einer Riesenspritze übergaben 50 Zürcher Ärzte heute Vormittag Anita Ruf, Gesundheitsdirektor Heinigers persönlicher Assistentin, ihren Antrag auf Festsetzung eines höheren Taxpunktwerts. Sie manifestierten damit ihren Unmut über das Scheitern der Tarifverhandlungen mit den Krankenkassen vorgestern Dienstag, und insbesondere über die Zumutung eines ihre Kosten nicht deckenden Tarifs.

Medienmitteilung vom 24. November 2016

Seit 2004 werden ambulante Leistungen nach Tarmed verrechnet. Der Rechnungsbetrag setzt sich zusammen aus der Anzahl Taxpunkten, welche in der Tarifstruktur den Wert der Leistung angibt, multipliziert mit dem kantonal unterschiedlichen Taxpunktwert. In der Tarifstruktur wurden die Leistungen bei einem Taxpunktwert von 1 Franken so berechnet, dass Ärztinnen und Ärzte bei durchschnittlichen Schweizer Kosten ihre Leistungen kostendeckend erbringen können. Der kantonale Taxpunktwert soll regionale Unterschiede bei den Kosten wie Praxismieten, Löhnen für die MPA usw. ausgleichen, und dafür um 1 Franken schwanken.

Aus politischen Gründen wurde aber auch in überdurchschnittlich teuren Regionen nie ein Taxpunktwert über einem Franken vereinbart. Im Gegenteil: Bei Tarmed-Einführung im 2004 startete der Kanton Zürich mit 97 Rappen, und wurde bis heute auf auf 89 Rappen herunter gekürzt. Auf 2017 verlangten die Versicherer erneut eine Kürzung auf 88 Rappen. Zu diesen Preisen können ambulante Arztpraxen im teuren Kanton Zürich aber schlicht und einfach nicht kostendeckend arbeiten.

Die Arztpraxen brauchen einen betriebswirtschaftlich korrekt berechneten Taxpunktwert, um langfristig bestehen zu können. Der heutige Taxpunktwert im Kanton Zürich ist so tief, dass die ambulante Versorgung gefährdet ist. Junge Ärztinnen und Ärzte können sich kaum noch leisten, eine eigene Praxis zu gründen. Ältere Ärzte finden für ihre Praxen nur mit grosser Mühe Nachfolger, weil die jungen Kollegen bei den finanziellen Unwägbarkeiten einer selbständigen ambulanten Tätigkeit lieber im Spital angestellt bleiben.

Damit es in den ambulanten Praxen auch morgen noch Haus- und Kinderärzte, Gynäkologinnen und Urologen, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Augenärzte, Psychiater und andere Fachärzte hat, braucht es einen höheren Taxpunktwert. Die Zürcher Ärztinnen und Ärzte fordern einen Taxpunktwert von 1 Franken im teuren Zürich als fairen Kompromiss.

Die Prämien im Blick

Die Anhebung des Taxpunktwertes um 11 Rappen klingt nach viel, wäre für die Prämienzahler aber zu verkraften. Für ambulante Kosten werden nämlich nur 20 Rappen eines Prämienfrankens aufgewendet. Deshalb hätte die Anhebung des Taxpunktwertes auf 1 Franken eine einmalige moderate Prämiensteigerung von maximal 4% zur Folge. Im Kanton Zürich sind die Krankenkassen im Vergleich zu anderen Kantonen tief und das Lohnniveau vergleichsweise hoch, so dass diese einmalige Anhebung finanzierbar wäre.

Mit der Unterbreitung des Antrags auf Festsetzung des Taxpunktwertes an Regierungsrat Heiniger ist die Gesundheitsdirektion nun am Zug. Die Regierung muss nun das Festsetzungsverfahren einleiten und sich mit dem Antrag beschäftigen.

Die Forderungen der AGZ im Antrag auf Festsetzung des Taxpunktwertes 2017 in Kürze

1 Franken pro Taxpunkt  -  für eine gute und sichere ambulante Medizin in Stadt und Land 

Die Krankheit: 

Seit Einführung des TARMED im Jahr 2004:

•    Ist der Taxpunktwert von 97 auf 89 Rappen stark gesunken.

•    Sind die Kosten der Ärzte (Mieten, Löhne für MPA, Apparate, IT) stark gestiegen.

Die Folgen:

•    Ältere Ärzte finden keine Nachfolger für Ihre Praxen.

•    Der Ärztemangel gefährdet die kostengünstige Grundversorgung.

•    Gut 40 Gemeinden im Kanton haben keinen Arzt mehr im Ort.

•    In den nächsten 5 Jahren kommen 30% der Ärzte ins Pensionsalter.

•    Das führt zu grossen Problemen im ambulanten Notfalldienst.

•    Kosten und Krankenkassen-Prämien steigen, weil teure Spitäler für fehlende ambulante Ärzte einspringen müssen. 

Die Medizin:

•    Taxpunktwert für das Jahr 2017 = 1 Franken

•    Weitere Verhandlungen zwischen Versicherern und Ärzten.

Medienkontakt

Josef Widler, Präsident AGZ AERZTEGESELLSCHAFT DES KANTONS ZUERICH  

josef.widler@agz-zh.ch

Telefon: 079 448 79 48

Zuercher Aerzte fordern die Festsetzung eines fairen Taxpunktwerts

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