Hausärzte setzen Gemeinden unter Druck

Donnerstag, 24. November 2016
AGZ

ZÜRCHER OBERLAND Die Ärzte des Notfallkreises Wald-Bauma- Fischenthal mussten einige Wochenenddienste ausfallen lassen. Grund dafür ist Personalmangel. Von den Gemeinden fühlen sich die Hausärzte im Stich gelassen.

Erschienen am 15.11.2016 im Zürcher Oberländer, Autor: Andres Eberhard

Am Wochenende kein Arzt: Dieses Szenario könnte ab nächstem Jahr vielerorts immer mal wieder eintreffen. Denn in den meisten Gemeinden ist noch nicht geregelt, wie der Notfalldienst ab 2017 organisiert sein wird. Ärzte und Politiker streiten sich derzeit um die Zuständigkeit. Leidtragende sind nicht nur Patienten, die bei Notfällen vermehrt ins Spital fahren müssen. Auch für Hausärzte auf dem Land wird die Situation immer prekärer. Bisher wurden diese in der Nacht und an Wochenenden von den SOS-Ärzten entlastet.

Diese kündeten per Ende Jahr aber die Verträge. In Bauma war die Leitung des Notfalltelefons bereits einmal tot – wegen eines kurzfristigen Ausfalls einer Ärztin. Weitere unbesetzte Dienste würden unumgänglich, teilte Beat Staub von der Praxisgemeinschaft Bauma den Gemeinden im Notfallkreis mit. Dass darauf vonseiten der Behörden keine Antwort kam, machte Staub wütend. «Interessiert es Sie nicht, dass kein Hausarzt vor Ort ist?», fragte er in einem zweiten Schreiben rhetorisch nach, «oder sind Sie der Ansicht, es brauche keinen?»

Schweigen auf den Ämtern

Die Gemeinden reagierten unterschiedlich. Von Fischenthal hörte Staub nichts. In Wald liess man ausrichten, man warte die Empfehlung des Gemeindepräsidentenverbands ab. Nur Heidi Weiss (EVP), Gesundheitsvorsteherin in Bauma, antwortete ausführlich. Auf Nachfrage des ZO/AvU sagt sie, dass sie die Anliegen der Hausärzte verstehe.

«Unsere Hausärzte leisten gute Arbeit, und wir möchten sie gerne behalten.» Ob die Gemeinde allerdings auf den Vorschlag der Ärzteschaft eingehe und sich finanziell am Notfalldienst beteilige, werde erst Ende November im Gesamt-Gemeinderat entschieden. Weiss ist aber aufgrund eines Rechtsgutachtens der Meinung, dass die Gemeinden bei der umstrittenen künftigen Finanzierung des Notfalldienstes nicht in der Pflicht sind.

Ärzte und Politiker streiten sich über die Kosten

Bis anhin übernahmen die Ärzte die Organisation des Notfalldienstes – ein 24-Stunden-Betrieb. Die Hausärzte vor Ort organisierten sich dabei in gemeindeübergreifenden Notfallkreisen und wechselten sich im Turnus ab. Unterstützt wurden sie vom Unternehmen SOS-Ärzte, welches einen Grossteil der Wochenend- und Nachtdienste übernahm und auf eigene Rechnung wirtschaftete. Nun aber haben die SOS-Ärzte per Ende Jahr diese Verträge gekündigt.

Als Grund gab die Organisation an, dass die Leistung wegen der langen Pikettzeiten nicht mehr kostendeckend sei. Auf der Suche nach Alternativen tun sich Ärzte und Politiker derzeit schwer. Man streitet sich, wer den Notfalldienst bezahlen soll. Von der Ärztegesellschaft liegt der Vorschlag eines «Rundum-sorglos-Pakets» auf dem Tisch, der die Gemeinden aber zehn Franken pro Einwohner und Jahr kostet.

Fehraltorf ist die bisher einzige Gemeinde der Region, die auf dieses Angebot eingegangen ist – zu einem Spezialpreis von sechs Franken. Die meisten anderen Gemeinden hingegen stellen sich auf den auch vom Gemeindepräsidentenverband vertretenen Standpunkt, dass es Aufgabe der Ärzte sei, den Notfalldienst sicherzustellen. So stehe es im Gesundheitsgesetz. Ein Rechtsgutachten zeige dasselbe.

Für den Baumer Hausarzt Beat Staub führt dieses Rechtsgutachten nicht zu Lösungen. So stehe unter anderem darin, dass Notfalldienste für die Ärzte ein gutes Mittel seien, um neue Kunden anzuwerben. «Kein Hausarzt muss heute noch Patienten akquirieren, leider müssen wir sie eher ablehnen», sagt er.

> Für mehr Hintergrundinformationen lesen Sie den Artikel "Im Notfall meldet sich der Anrufbeantworter".

Hausaerzte setzen Gemeinden unter Druck

Informiert bleiben