Der regionale Notfalldienst steht auf der Kippe

Montag, 17. Oktober 2016
AGZ

Die Zukunft des Notfalldiensts im Bezirk Horgen ist umstritten, weil sich die Gemeinden gegen die geforderte finanzielle Unterstützung aussprechen. 

Die Notfalldienstorganisation im Kanton ist ab Anfang 2017 in der Schwebe. Die Zürcher Ärztegesellschaft (AGZ) warnt, sie könne den Notfalldienst nicht mehr aufrechterhalten. Gefordert wird von der AGZ eine finanzielle Unterstützung von 10 Franken pro Einwohner pro Jahr – zum Missfallen der Gemeinden.

Die Gemeinden und die Ärzte des Kantons Zürich können sich zurzeit nicht einigen, wer für die Kosten aufkommen muss. Der Gemeindepräsidentenverband empfiehlt, auf eine Einstellung in den Budgets zu verzichten, führt Präsident Jörg Kündig aus. «Zuerst muss abgeklärt werden, ob der Kanton mit ins Boot gehört – und wenn ja, wie er sich beteiligt», sagt Kündig. Um diese und andere offene Fragen zu klären, wurden auf Anfang Dezember Gespräche anberaumt.

Bereits auf Anfang 2017 ist die notfallärztliche Versorgung insbesondere in den Gemeinden der Notfallregion Horgen nicht mehr gesichert. Die SOS-Ärzte haben auf Ende Jahr Verträge mit Gemeinden gekündigt – um zu verdeutlichen, dass sie nicht mehr im Minus wirtschaften können. «Wir können die Gemeinden nicht dazu zwingen, das Angebot der AGZ Support AG anzunehmen», sagt Thomas Biedermann, CEO der AGZ Support AG. Die Ärzteschaft werde aber in Zukunft nicht mehr in der Lage sein, die Leistungen zur Dienstorganisation mit eigenen Ressourcen zu erbringen. Werden sich die Parteien nicht einigen, könnte eine Auslagerung des Notfalldienstes an die Spitäler erfolgen. Dies wiederum belastet das Portemonnaie des Einzelnen. Da Spitalkonsultationen über dreimal mehr Kosten verursachen als dieselbe Behandlung in einer Hausarztpraxis, wären laut Hausärzten Krankenkassenprämienerhöhungen die Folge.

Pionierrolle eingenommen
Durch die Kündigung der SOS- Ärzte ist insbesondere die Notfallregion Horgen betroffen, die in der Zusammenarbeit mit ihnen eine Pionierrolle einnahm. Seit zwei Jahren übernehmen die SOS-Notfallärzte hier die ambulante Versorgung zu Hause.

Der Horgner Arzt Adrian Müller hat in Zusammenarbeit mit weiteren Hausärzten der Region in den Gemeinden Rüschlikon, Kilchberg, Thalwil, Horgen und Hirzel den Notfalldienst reorganisiert. Die Reorganisation des Notfalldienstes beinhaltet, dass alle Telefonate nachts und am Wochenende über eine zentrale Nummer laufen. Durchgeführt wird die telefonische Triage zurzeit noch durch die Zentrale der SOS-Ärzte. Der Hausbesuch durch die SOS-Ärzte zeigte sich als kostenintensiver als erwartet – deshalb die geforderten Zusatzbeiträge. Adrian Müller erklärt im Interview Hintergründe zur Notfallregion und blickt in die Zukunft.

Artikel: Andrea Schmider 

Quelle: Zürichsee-Zeitung, 15. Oktober 2016

Der Horgner Hausarzt Adrian Müller spricht über die Beweggründe, ein neues Notfalldienstmodell zu lancieren. 

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