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Fragen zu TARMED

Fragen zu den Folgen einer Tariferhöhung

Fragen zum Einkommen

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Fragen und Antworten

Fragen zu TARMED

Was ist TARMED und wie funktioniert er?
Der TARMED ist ein schweizweit einheitlicher Tarif für ambulante Leistungen. Er umfasst ca. 4600 Positionen und gilt für die Krankenversicherung (KVG), Unfallversicherung (UVG), Invalidenversicherung (IVG) und Militärversicherung (MVG). Wenn Ärzte den obligatorisch versicherten Patienten Rechnung stellen, wenden sie den TARMED an.

Dürfen alle Ärzte alle 4600 Leistungen abrechnen?
Leistungen nach TARMED können nur durch diejenigen Fachärzte abgerechnet werden, welche die in den einzelnen Leistungen festgehaltenen Anforderungen erfüllen (Facharzttitel, Schwerpunkte, Fähigkeitsausweise, Fertigkeitsausweise). Bestimmte Grundleistungen wie z.B. Konsultationen können von allen Ärzten abgerechnet werden.

Wovon hängt es ab, wie viel eine Leistung im TARMED wert ist?
Vom Aufwand, der für die Leistungserbringung notwendig ist. Jeder Position ist eine Zahl von Taxpunkten für die „Ärztliche Leistung (AL)“ = Aufwand des Arztes selbst und die „Technische Leistung (TL)“ = Betriebsaufwand der Praxis (Infrastrukturkosten, Personalkosten der Praxisangestellten) zugeordnet. Je grösser der Aufwand, umso mehr TP gibt es.

Wie ergibt sich daraus der Preis auf der Arztrechnung?
Auf der Arztrechnung wird die Zahl der Taxpunkte (TP) mit dem Taxpunktwert (TPW) multipliziert. Für das KVG gibt es kantonal unterschiedliche TPW, für das UVG, IVG und MVG einen national einheitlichen TPW.

Beispiel: Anzahl TP für Grundkonsultation (5 min.) = 17.76 TP; TPW Zürich (KVG) = 89 Rp.

Preis Grundkonsultation KVG Zürich = CHF 15.81 (17.76 * 0.89).

Warum sind die Preise nicht überall in der Schweiz gleich?
Die Taxpunkte sind im UVG/IVG/MVG gleich, im KVG nicht. Im KVG gab es bereits vor 2004 unterschiedliche Preise. Obwohl die Tarifstruktur des TARMED mit einem einheitlichen Taxpunktwert von CHF 1.- berechnet wurde, wurden wegen der kostenneutralen Umsetzung des TARMED historische Preisunterschiede durch unterschiedlich hohe TPW weitergeführt. 

Wer entscheidet, wieviel ein Taxpunkt in einem bestimmten Kanton wert ist?
Die Taxpunktwerte werden jährlich zwischen den Versicherern und den kantonalen Ärztegesellschaften verhandelt. Scheitern die Verhandlungen, muss der Kanton den Taxpunktwert mit Regierungsratsbeschluss festsetzen. Wenn Versicherer oder Ärzte damit nicht einverstanden sind, können die den Entscheid gerichtlich anfechten.

Was sind Kritikpunkte an unterschiedlichen Taxpunktwerten (TPW)?
Nach der Idee des Einheitstarifs TARMED sollten nur kantonale Kostenunterschiede im Betriebsaufwand der Ärzte (Löhne, Mieten) unterschiedlich hohe TPW begründen. Tatsächlich wurden die TPW zur Kostenbegrenzung der Versicherer eingesetzt und sind dort tiefer, wo mehr Leistungen erbracht werden. Benachteiligt sind grosse Kantone wie Zürich.

Warum sollen die TARMED-Tarife angehoben werden?
Der Zürcher Taxpunktwert ist heute so tief, dass er keinen Anreiz mehr darstellt, eine Praxis zu eröffnen oder zu übernehmen. Für Ärzte ist es attraktiver, im Spital zu bleiben oder sich bei geregelten Arbeitszeiten in Gruppenpraxen anstellen zu lassen. Es braucht einen höheren TPW, um das Praxissterben zu stoppen und die Grundversorgung zu sichern.

Welchen Unterschied würde eine Erhöhung des Taxpunktwertes abgesehen vom finanziellen Aspekt für mich machen?
Dass es auch morgen noch in Ihrem näheren Umfeld eine Grundversorgerpraxis gibt, es keine langen Wartezeiten für Arzttermine gibt, es noch Ärzte gibt, die im Notfall zu einem Hausbesuch zu Ihnen kommen, Ihr Arzt die nötige Zeit für Sie aufbringen kann.

Kann ich Einfluss auf die TARMED-Revision und die Taxpunkte nehmen? Wie?
Ja, indem sie die Kampagne „Ärzte für Zürich“ unterstützen: 

Fragen zu den Folgen einer Tariferhöhung

Wenn Taxpunkte teurer werden, steigt dann auch meine Krankenkassenprämie? Um wieviel?
Die Prämien im Kanton Zürich liegen bei einem vergleichsweise hohen Einkommensniveau der Zürcher unter dem schweizweiten Durchschnitt. Die Taxpunktwerterhöhung auf CHF 1.- könnte theoretisch bei gleich bleibendem Leistungsvolumen eine Erhöhung der Zürcher Prämien um ca. 3% im Jahr bewirken. Das wäre finanzierbar, wird aber nicht in dem Ausmass kommen.

Wird die Prämienverbilligung erhöht, wenn die Krankenkassenprämien wegen der Tariferhöhung steigen?
Das ist die Entscheidung von Kanton und Bund. Ärzte und Versicherer haben darauf keinen Einfluss. 

Setzt sich die AGZ politisch für Prämienverbilligung ein?
Die AGZ setzt sich dafür ein, dass das System ohne grosse Prämienanstiege finanzierbar bleibt. Bspw. durch Anreize für eine kostengünstige Medizin in Arztpraxen, Stärkung der Eigenverantwortung von Menschen, die nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt laufen sollten, mehr Wettbewerb oder Delegation gewisser Leistungen an MPA und andere Medizinalberufe. 

Wer bezahlt die Tariferhöhung?
Wenn die Tariferhöhung zu einer Prämienerhöhung führen sollte, würde sie der Prämienzahler bezahlen. Sie könnte auch durch Rationalisierungen bei Versicherern abgefedert werden oder durch Beeinflussung des Nachfrageverhaltens. Es dürfen nicht mehr die Ärzte zu Schuldigen für Prämienerhöhungen gemacht werden. Die Hauptgründe für Kostensteigerungen und Sparpotentiale liegen nicht bei den ambulanten Ärzten. 

Warum machen die Krankenkassen Druck, um die Konsultationen zu reduzieren?
Konsultationen kosten die Krankenkassen viel, sie sind die häufigsten nach TARMED abgerechneten Leistungen. Sie nehmen u.a. zu, weil die Bevölkerung wächst und älter wird, es immer mehr chronische Krankheiten gibt, die Patienten häufiger zum Arzt gehen, mehr vom Arzt wissen wollen und erwarten. 

Warum wird der Trend zur Behandlung in Spitalambulanzen und Gruppenpraxen kritisiert?
Spitalambulanzen und Gruppenpraxen sind für die Krankenkassen teurer. Zudem gibt es in kleineren Gemeinden keine Spitäler und Gruppenpraxen. Der Hausarzt ist kein romantisches Auslaufmodell sondern die beste und günstigste Grundversorgung.

Fragen zum Einkommen

Warum besteht ein grosser Einkommensunterschied zwischen Ärzten in Spitälern und Ärzten in ambulanten Praxen?
Bei der Berechnung des TARMED war der Massstab für das Einkommen der Ärzte in Praxen das vergleichbare Einkommen von Spitalärzten. Seither sind die Löhne der Spitalärzte gestiegen, die Tarife der Ärzte in den Praxen aber gesunken. Deshalb verdienen heute Spitalärzte mehr als Ärzte in Praxen.

Wie hoch ist das Einkommen eines ambulant tätigen Arztes mit eigener Praxis?
Es ist deutlich tiefer als allgemein angenommen. Ein 50-jähriger selbständiger Arzt (Durchschnitt aller Grundversorger und Spezialisten wie Kardiologen etc.) mit einem 100% Pensum erzielt aus TARMED-Leistungen einen Bruttojahreslohn von CHF 138‘000.

Warum wird das Jahreseinkommen von Haus- und anderen Ärzten oft auf jährlich eine halbe Million Franken geschätzt?
Eine durchschnittliche Praxis im Kanton Zürich erwirtschaftet effektiv einen jährlichen Praxisertrag, also Unternehmensertrag von CHF 365'000.

Von diesen CHF 365'000 muss der Praxisaufwand (Gestehungskosten) abgezogen werden. Das sind durchschnittlich CHF 198'000 jährlich, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • Löhne (für MPA u.a.) 42%
  • Miete 16%
  • Materialkosten 5%
  • Abschreibungen & Eigenkapitalkosten 9%
  • übrige Kosten 27% (Berufshaftpflicht, Rechtschutz, Verwaltungsaufwand, Beiträge an Berufsverbände, berufliche Fortbildung, Reisespesen,Unterhalt und Reparaturen, Fahrzeuggebühren etc.)

Nach Abzug von Gestehungskosten und Arbeitgeberanteilen an Sozialversicherungen kommt ein ambulant tätiger Arzt auf einen Arbeitnehmer-Bruttolohn von CHF 138'000 jährlich.

Ein Brutto-Jahreslohn von CHF 138'000 ist nicht wenig. Warum ist dies trotzdem ein vergleichsweise tiefes Einkommen?
Ähnlich hoch qualifizierte selbständig Erwerbstätige wie Rechtsanwälte, Steuerberater, Ingenieure, Architekten oder auch selbständige Handwerker mit Meisterausbildung sowie angestellte Kadermitarbeiter verdienen in der Schweiz deutlich mehr. Es wird erwartet, dass die besten Studenten Medizin studieren. Zudem tragen Ärzte ausserordentlich viel Verantwortung bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Warum sollen sie nach langem Studium und langer beruflicher Ausbildung weniger verdienen als andere?

Allgemeine Fragen

Was heisst ambulante Behandlung? 
Jede Behandlung, die kürzer als 24h dauert und keine Übernachtung im Spital erfordert, gilt als ambulant erbracht. Wegen des medizinischen Fortschritts ist heute vieles ambulant möglich, was früher stationär war. Auch Spitäler erbringen neben stationären Leistungen zunehmend ambulante Leistungen und rechnen diese nach TARMED ab.

Gelten unterschiedliche Tarife, wenn die gleiche Leistung ambulant oder stationär erbracht wird? 
Stationäre Leistungen werden zu Fallpauschalen nach SwissDRG abgerechnet, ambulante Leistungen zu Einzelleistungstarifen des TARMED. Die DRG-Pauschale ist teurer, weil der Infrastrukturaufwand im Spital grösser ist. Ambulante Leistungen werden zu 100%, stationäre Leistungen zu 45% durch die Krankenkassen finanziert, der Rest aus Steuern. 

Dann ist der stationäre Aufenthalt im Endeffekt billiger für den Patienten? 
Im Behandlungsfall zahlen Patienten generell ihre Franchise. Darüber hinaus sind 10% der ambulanten Kosten bis jährlich maximal CHF 700 für Erwachsene und CHF 350 für Kinder bzw. bei stationären Leistungen ein Beitrag von CHF 15 pro Spitaltag zu bezahlen (ausgenommen Kinder, junge Erwachsene in Ausbildung und Frauen für Mutterschaftsleistungen). 

Macht es einen Unterschied, ob mein Arzt mich zweimal kurz oder einmal lange berät? 
Die richtige Wahl hängt von der Krankheit ab, ob sie in einer kürzeren oder einer längeren Untersuchung eindeutig abgeklärt werden kann, ob es wiederholte Beobachtungen von chronischen Krankheitsbildern braucht, ob nach der Diagnosestellung eine einmalige Behandlung möglich ist, ob es Kontrollen der Therapie braucht etc.

Warum gibt es beim Medizinstudium einen Numerus Clausus, wenn es doch zu wenige Ärzte gibt?
Wenn es nur eine begrenzte Zahl von teuren Ausbildungsplätzen gibt, macht es Sinn, dass nur geeignete Studenten die Ausbildung absolvieren. Das kann entweder über einen Numerus Clausus mit einer Selektion am Studienbeginn erreicht werden oder mit einem freien Zugang zum Studium und mit strengen Selektionsprüfungen in der ersten Studienphase.

 

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